Die Auge-Fuß-Koordination im Einklang mit der Balance-Seitigkeit ist Gegenstand dieses Beitrages.
Das Zusammenspiel von Äugigkeit und Füßigkeit dient hauptsächlich der Trittsicherheit. Diese hilft, die Füße beim Gehen oder Laufen in anspruchsvollem Terrain präzise zu setzen, durch geschickte Koordination der Bewegungen das Gleichgewicht zu halten und sich damit effizient und sicher fortzubewegen. Der Körperschwerpunkt balanciert dabei über den Füßen. Die Augen erkunden den Boden und suchen nach einen Platz für den Fuß. Hierbei beginnt ein komplexes Zusammenspiel von bisherigen Erfahrungen, guter Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten, Vertrauen und Psyche gepaart mit körperlicher Kondition und Fitness. Beim Bergsteigen und Wandern auf ausgeschilderten Wegen wird explizit auf das Vorhandensein von Trittsicherheit hingewiesen.
Fußball – Die hohe Kunst der Auge-Fuß-Koordination
Im Fußball-Spiel kommt sie auf ganz besondere Weise zur Geltung. Es erfordert zusätzlich zur Koordination der Laufbewegung sowohl die Beobachtung der Spiel-Situation und eine geschickte, individuelle Ball-Behandlung, als auch die Berücksichtigung der störenden Handlungen der gegnerischen Mannschaft. Das ist sehr komplex (Zouhal 2018).
Um die Grundprinzipien deutlich zu machen, soll im Weiteren die Schussbewegung im obigen Bild näher analysiert werden. Bei ihrer Betrachtung können Fragen wie diese auftreten:
- Welche Instanz plant die Bewegung?
- Wie wählt der Spieler die Position für das Standbein aus?
- Zu welchem Zeitpunkt erreicht das Spielbein den Ball?
- Wie steuert der Spieler über die Auge-Fuß-Koordination ein Ziel an?
- Welcher Bewegungsanteil beeinflusst stärker die Stabilisierung des Gleichgewichtes?
Bewegungsplanung
Ein Spieler ohne Ball beobachtet einmal die Bewegung des Balles und der Spieler. Er passt seinen Standort und die Laufgeschwindigkeit der Spielsituation an. Die Aufmerksamkeit ist über das dominante Auge hauptsächlich auf die Wahrnehmung des äußere Geschehen ausgerichtet. In dem Moment, in dem der Ball in seinen Handlungsraum eintritt – also in den Bereich, in dem er selbst aktiv zum Ball geht, wechselt die Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit und der Blick konzentriert sich auf die Abschätzung der eigenen Handlungsmöglichkeiten, d.h. Ballannahme und Ball-Kontrolle. Nachdem erfolgt wieder ein Umschalten auf die sich peripher entwickelnde Spielsituation und die Entscheidung für einen gezielten Torschuss oder zur kontrollierten Ballabgabe. Die Augen teilen sich diese Aufgabe: Das dominante Auge beobachtet die Spielsituation. Das nicht-dominante Auge steuert die Trittsicherheit während der Ballbehandlung.
Position des Standbeins
Ein wichtiger Moment dabei ist, die Positionierung des Standbeins zum Ball und dem anvisierten Ziel (z.B. Tor oder Mitspieler) des Schusses. Optimal wäre ein fußbreiter Abstand, damit das schwingende Bein den Ball am tiefsten Punkt treffen kann. Dies ist bei einem ruhenden Ball leichter. Bei einem sich bewegenden Ball beobachtet das dominante Auge den Ball sowie die Spielsituation und das nicht-dominante Auge schätzt mit dem nicht-dominantem Fuß den besten Standort ab. Mit dem Setzen des Standbeins beginnt die Umsetzung des Handlungsplanes.
Koordination der Ausholbewegung
Unter der Kontrolle des Standbeins und des nicht-dominantem Auges erfolgt die Ausholbewegung. Mit der Trittsicherheit übernimmt das dominante Auge. Es sucht das Ziel und koordiniert die Schussbewegung. Das Bein und der Fuß stellen sich auf das Ziel ein. Die Entscheidung für die Schuss-Technik fällt jetzt, kurz bevor der dominante Fuß den Ball möglichst am tiefsten Punkt der Schwungbewegung berührt.
Steuerung der Zielgenauigkeit
Das Spielbein ist in der Regel beweglicher und besser darin, Bewegungsvarianten auszubalancieren. Kurzfristige Bewegungsänderungen in der Hüfte, im Knie oder in den Fußgelenken beeinflussen die Flugbahn des Balles. Die komplexe Koordination einer Schussbewegung erfordert viel Übung und Erfahrung in variablen Spielsituationen.
Stabilisierung des Gleichgewichtes
Hat der Ball den Fuß verlassen, koordiniert das Gleichgewichtssystem die Rückkehr zum Stand. Hierbei ist der dominante Fuß beweglicher. Er gleicht Schwankungen der aufrechten Körperposition besser aus.
Unter bestimmten Umständen, wie zum Beispiel in Freistoß-Situationen oder bei gut sichtbaren Vorlagen zum Torschuss, bietet es sich an, dass nicht dominante Bein für einen kraftvollen Vollspannschuss zu verwenden. Das dominante Bein ist geschickt darin, die optimale Schusshaltung bei hoher Anlaufgeschwindigkeit aufzubauen, das innere dominante Augen kennt das Ziel (Dreiangel, Unterlattenkante, …), der Blick konzentriert sich über das nicht dominante Auge auf den Ball und alle Kraft kann in den Schwung und die Beinstreckung gelegt werden. Den Schwung leitet das dominante Bein in eine ausgleichende Bewegung leichter weiter.
Fazit zur Auge-Fuß-Koordination
Die angeborene Balance-Seitigkeit beeinflusst die Auge-Fuß-Koordination durch das Zusammenspiel von Auge- und Fuß-Dominanz.
Quellenangabe:
Bild: iStock
- Zouhal, H., Abderrahman, A. B., Dupont, G., Truptin, P., Le Bris, R., Le Postec, E., … & Bideau, B. (2018). Laterality influences agility performance in elite soccer players. Frontiers in physiology, 9, 807. [PubMed]


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