Balance-Seitigkeit ist die Dominanz einer Körperseite für die dynamische oder statische Balance. Der Begriff beschreibt eine Lateralisierung des vestibulären Systems, das für den sicheren Halt unseres Körpers sorgt. Es ist mit autonom gesteuerten Körperfunktionen wie der Atmung oder dem Herz-Kreislauf-System verbunden.
Die Dominanz einer Körperseite für das vestibuläre System (Dieterich 2003, 2017) sorgt dafür, dass Bewegungen auf der dominanten Seite dynamischer ausgeführt werden können. Im Vergleich dazu, sichert die nicht dominanten Seite die stabile Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes. Sie ist besser darin, über längere Zeit Halte-Aufgaben auszuführen. Diese Lateralisierung von gegensätzlichen Aufgaben verschafft dem Körper die Möglichkeit, verschiedene motorische Prozesse getrennt von einander zu steuern.
Bekannt sind die Begriffe Spielbein und Standbein sowie aktive Hand und Haltehand. Damit interagiert die Balance-Seitigkeit mit der Händigkeit und der Füßigkeit. Im Idealfall harmoniert sie miteinander und erzeugen ein unbewusstes Präferenz-Gefühl einer Körperseite.
Überwiegt in den routinemäßigen Bewegungen eines Menschen ein nicht harmonisches Zusammenspiel der motorischen Seitigkeiten mit der angeborenen Balance-Seitigkeit wirkt sich diese Dysbalance über autonome Steuermechanismen auf unterschiedliche Bereiche aus.
Folgen einer nicht gelebten Balance-Seitigkeit
Was bedeutet es, seine Balance-Seitigkeit nicht zu leben? Die Körperseite, die sich für die Halte-Tätigkeit besser eignet, ist aktiv und die Seite, die dynamische Bewegungen schneller und effizienter verarbeiten kann, übernimmt Haltefunktionen.
In extremen Fällen ist eine Körperseite sogar für beide Aufgaben zuständig, während die andere an der Gesamtbewegung weniger teilnimmt. Zum Beispiel nutzen oftmals Mädchen ihr dominantes Bein, sowohl um darauf still und ruhig zu stehen, als auch um einbeinig zu springen. Oftmals stehen sie dann zusätzlich mit ihrem Standbein auf einem Roller. Das Fußball-spielen kann bei Jungen einen Einfluss auf die Entwicklung der Balance-Seitigkeit haben. Dieser Aspekt wird im Beitrag Füßigkeit und Auge-Fuß-Koordination genauer erläutert.
Nicht gut ausbalancierte Gewohnheiten beeinflussen über das vestibuläre System inneren Zustände. Je nachdem welche Bewegungsform in extremen Fällen überwiegt, kann dies zu motorischer Unruhe oder zu Antriebsarmut oder wechselseitig zu beidem führen.
Das Wechselspiel von Aktivität (Sympathikus) und Ruhe (Parasympathikus) ist nicht in Balance. Es wird im Beitrag „Der Körperhaus-Meister“ näher erläutert.
Fazit zur Balance-Seitigkeit
Die Balance-Seitigkeit ist angeboren und beeinflusst alle anderen Seitigkeiten wie z.B. Händigkeit, Füßigkeit und Äugigkeit.
Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit steigen, wenn die Seitigkeiten des Körpers miteinander harmonieren.
Quellenangabe:
- Bild: freepik
- Dieterich, M., Bense, S., Lutz, S., Drzezga, A., Stephan, T., Bartenstein, P., & Brandt, T. (2003). Dominance for vestibular cortical function in the non-dominant hemisphere. Cerebral cortex, 13(9), 994-1007. [PubMed]
- Dieterich, M., Kirsch, V., & Brandt, T. (2017). Right-sided dominance of the bilateral vestibular system in the upper brainstem and thalamus. Journal of Neurology, 264(Suppl 1), 55-62. [PubMed]

