Als Füßigkeit oder Beinigkeit wird die Bevorzugung eines Fußes oder Beines für bestimmte Tätigkeiten bezeichnet. Die bekannteste Form dieser Seitigkeit des Menschen ist das Schussbein beim Fußball spielen.

In wissenschaftlichen Fragebögen zur Analyse, der im Englischen als „footedness“ bezeichneten Füßig- oder Beinigkeit, werden oft folgende Tätigkeiten abgefragt und als Lateralitätskoeffizient angegeben (Elias 1998, van Melick 2017):

  • einen Ball oder einen anderen Gegenstand in die Richtung eines Ziels kicken,
  • eine Murmel mit den Zehen aufheben und gezielt ablegen,
  • auf einen Hocker auf- oder absteigen,
  • auf ein Insekt, imaginäres Feuer oder Zigaretten-Stummel treten,
  • etwas mit der großen Zehe in den Sand schreiben.
  • mit einem Spaten umgraben

Die Füßigkeit wird dann als dominant rechts, links oder gemischt eingeordnet. Dabei ist der beweglichere Fuß der dominante Fuß und das Standbein der nicht-dominante Fuß.

Einige gängige – eher ungenaue Tests

Einer dieser Schnell-Tests ist die Bevorzugung, ein bestimmtes Bein im Sitzen über das andere zu schlagen. Dieser Test ist stark von räumlichen Gegebenheiten, Gewohnheiten im Zusammenspiel mit der Gestik und inneren Stimmungslagen abhängig.

Wer sich mit der Füßigkeit beschäftigt, hört sehr schnell von einem „Schubs-Test“. Die zu testende Person wird ohne ihr Wissen leicht von hinten geschubst. Das Bein, das die Ausgleichbewegung ausführt, gilt als dominantes Bein. Dieser Test hängt davon ab, auf welchem Bein in dem Moment des Schubsens das Gleichgewicht des Körpers verlagert ist. Für einen Beinwechsel reichen minimale Unterschiede aus.

Füßigkeit im Ballsport

Im Fußball wird von Links- und Rechtsfüßlern oder einem rechten oder linkem Schussbein gesprochen. Zusätzlich wird in Spiel- und Standbein unterschieden. Die Präferenz bildet sich bei vielen Jungen sehr früh heraus. Dabei hängt es davon ab, ob das anfängliche „Schusstraining“ als statischer oder dynamischer Stand erlebt wird. Es geht dabei um das Zusammenspiel von Augen, Bein und Gleichgewicht. Je nach dem, ob die Schuss-Bewegung als stabil oder hoch instabil wahrgenommen wird, agiert entweder das biologische Standbein oder das biologische Spielbein. Daraus können sich Gewohnheiten entwickeln, die sich auf die gelebte Gesamt-Seitigkeit des Kindes auswirken können.

Die Füßigkeit der meisten anderen Ball-Sportarten hängt von der Händigkeit bzw. Armigkeit ab: Techniken wie Werfen und Schlagen zum Beispiel beim Handball und Volleyball oder Schlägerspiele wie Tennis und Golf.

Füßigkeit in Gleit- und Roll-Sportarten

Roller fahren

Mit ca. zwei Jahren beginnen Kleinkinder mit dem Rollerfahren. Auf dem Roller-Markt gibt es einige dreirädrige Modelle, die es ermöglichen, sehr schnell das Gleichgewicht in der Rollbewegung zu halten. Für eine Aussage über die Beinigkeit sind sie oft zu stabil – erst ein zweirädriger Roller ist ein guter Indikator für die Füßigkeit. Besteht eine rechtsseitige Dominanz, steht das Kind mit dem rechten Fuß auf dem Roller. Ein Rollerfahrer mit einer linksseitigen Dominanz stellt den linken Fuß auf die Trittfläche und das rechte Bein schiebt an.

Bei Kinder mit einer vorsichtigen und zurückhaltenden Fahrweise könnte es sein, dass das Standbein auf dem Roller steht, um das Gleichgewicht besser halten zu können. Das Anschieben erfolgt verhalten und wirkt eher unsicher und bedächtig.

Fahrrad fahren

Die Füßigkeit beim Fahrrad fahren kann zum einen, bei der Vorliebe ein Bein über das Rad zu schwingen, zum Ausdruck kommen. Dieser Umstand wird stark durch die Nutzung eines Ständers beeinflusst. Zum anderen lässt es sich gut beobachten, welches Bein sich lieber vom Boden abdrückt oder zuerst zum Boden absteigt. Dies ist ein Hinweis auf das dominante Bein, wenn der Fahrradfahrer eine vorwärts-strebende Fahrweise nutzt. Erfordert die Situation eher eine auf Sicherheit bedachte Fahrweise, kann sich die Nutzung der Füße umkehren.

Inline-Skating, Roll- und Schlittschuhlaufen

Die Füßigkeit kommt beim Inline-Skating, Roll- und Schlittschuhlaufen besonders bei Drehbewegungen zum Ausdruck. Das dominante Bein ist beim Kurvenfahren lernen anfänglich beweglicher. Vorwärts bevorzugen Skater/Läufer mit einem dominantem rechten Bein Linkskurven und Skater/Läufer mit einem dominanten linken Bein Rechtskurven. Rückwärts kehrt sich die Drehrichtung um: Ist das rechte Bein dominant wird eine Rechtskurve bevorzugt und ist das linke Bein dominante gelingen Linkskurven leichter. Mit zunehmendem Können verliert sich dieser anfängliche Unterschied. Er zeigt sich wieder, wenn neue Elemente mit höheren Schwierigkeitsstufen hinzugenommen werden. Das Zusammenspiel von Füßigkeit und Balance-Seitigkeit wird in den Beiträgen zur Drehseitigkeit näher erläutert.

Board-Sport

Sportarten, die mit einem Board auf unterschiedlichen Untergründen ausgeführt werden wie Surfen, Snowboard-fahren oder Skateboard-fahren, nutzen eine lateralisierte Grundstellung. Sie kann viel über die Füßigkeit im Zusammenspiel mit der Balance-Seitigkeit aussagen, wenn die Grundposition durch eigenes Erleben erfühlt wurde. Wird sie durch Abschauen oder Vorgaben erlernt, kann es sein, dass die ausgeführte Grundstellung im Gegensatz zur angeborenen, biologischen Seitigkeit steht.

In Fahrtrichtung vorn steht der biologisch, dominante Fuß besser. Steht der linke Fuß vorn heißt die Fahrweise „Regular“, steht der rechte Fuß vorn „Goofy“.

Füßigkeit in der Leichtathletik

Sprungbein

Beim Weit-, Hoch- und Dreisprung ist das abspringende Bein das sogenannte Sprungbein. Auch beim Stabhochsprung drückt sich letztlich ein Bein vom Boden ab. Vom gesamten Bewegungsablauf betrachtet, kommt beim Hochsprung mit der Flop-Technik die Drehseitigkeit des Körpers und die Drehseitigkeit des Kopfes hinzu. Beim Dreisprung springt ein Bein zweimal und beim Stabhochsprung kommt zur Drehseitigkeit im Flug zur Latte noch die Griff-Seitigkeit am Stab hinzu. Alles zusammen betrachtet, springt ein Springer mit einer rechts-dominanten Füßigkeit mit dem linken Bein ab, dreht beim Hochsprung den Kopf nach rechts und den Körper nach links, springt beim Dreisprung zweimal mit dem linken Bein und drückt sich beim Stabhochsprung mit dem linken Bein ab und dreht über die Körperlängsachse nach links. Für einen Springer mit links-seitiger Dominanz der Füßigkeit verhält es sich dann genau umgekehrt.

Füßigkeit in Laufsportarten

Laufbewegungen gehören zu den zyklischen Bewegungen und sollten möglichst nicht lateralisiert sein. Nur beim Hürdenlauf und am Start bei kurzen Strecken, wo es darum geht, so schnell wie möglich maximal zu beschleunigen, gibt es laterale Einflüsse.

Startstellungen

Beim Tiefstart ist der biologisch, dominante Fuß weiter hinten. Das dominante Bein startet mit dem ersten schnellen Schritt. Das nicht-dominante Bein (Sprungbein) drückt sich beim Verlassen des Startblocks kräftig ab.

Wird die Laufstrecke länger und der Start erfolgt ohne Startblock als Hochstart, ergibt sich ein komplexeres Bild und es bleibt offen: Entweder wird „nur“ ein Fuß – eventuell der dominante Fuß, an die Startlinie gestellt, oder es wird die Seiten-optimierte Startstellung mit dem nicht-dominanten Fuß vorn eingenommen.

Hürdenlauf

Der Hürdenlauf benötigt einen lateralisierten Bewegungsablauf. Das angehobene Schwungbein wird nach vorn gestreckt und so dicht wie möglich über die Hürde geführt. Das Nachziehbein folgt seitlich abduziert mit angewinkeltem Knie.

Der dominante Fuß führt die Bewegung des Schwungbeins aus folgenden Gründen effizienter aus: Erstens der Bewegungsimpuls zur Überquerung eines Hindernisses im Laufen beginnt im dominanten Bein. Zweitens das gestreckte Schwungbein verändert den Schwerpunkt des Läufers. Kombiniert mit der dominanten Balance-Seitigkeit fällt es dem Körper leichter, das Gleichgewicht beim Landen des Sprunges zu steuern. Und drittens ist aus einer schnellen, anziehenden Bewegung des angewinkeltem Nachziehbeines ein kräftiger, stabilisierender Abdruck in die Laufrichtung möglich.

Füßigkeit beim Turnen

Die Füßigkeit im Turnen zeigt sich im Anfängerbereich und im Hochleistungsbereich – d. h. wenn ein Übungs-Element erlernt wird oder eine Übung Wettkampf-stabil geturnt werden soll. Beim Erlernen der Grundelemente wie zum Beispiel Handstand oder Radschlag ist zu unterscheiden, ob der Proband/Turner es selbst ausprobieren durfte, mit welcher Seite er anfangen möchte, oder ob er Vorgaben bekommen hat.

Bei der Auftaktbewegung des Fußes beginnt die dominante Seite. Ein rechts-dominanter Turner beginnt mit einem Auftaktschritt mit dem rechten Bein. Beim Handstand schwingt dann das nicht-dominante linke Bein nach oben. Das dominante Bein folgt. Beim Radschlag ist die dominante Seite in der Bewegungsrichtung vorn. Die Rad-schlagende Gewichtsverlagerung verläuft vom dominanten Fuß, über die dominante Hand, zur nicht-dominanten Hand bis zum Stand auf dem nicht-dominantem Fuß. Das dominanten Bein folgt und schließt die Bewegung ab.

Füßigkeit im Kampfsport

Die innere Einstellung zur geplanten Handlung prägt die Füßigkeit im Kampfsport. Entweder überwiegt die Absicht zum Angriff oder die Situation erfordert eine Verteidigungshaltung. In der Angriffs-Stellung ist der dominante Fuß vorn, während in der Verteidigungsstellung der nicht-dominante Fuß dafür einsteht, die „Stellung“ zu halten. Je nach Ausrichtung der Sportart variiert die Grundstellung. Dieses komplexe Wechselspiel und das Ziel eine hohe Variabilität zu erreichen, zielt darauf, beiden Seiten zu trainieren.

Boxen

Beim Linksausleger ist die linke, nicht-dominante Seite vorn. Entsprechend umgekehrt beim Rechts-Ausleger – dort steht das nicht-dominante rechte Bein vorn. Eine eher auf Verteidigung ausgerichtete Grundstellung.

Fechten

Ganz anders beim Fechten – die dominante Hand agiert mit der Waffe. Es überwiegt eine Angriff-orientierte Grundstellung. Die dominante Seite weist nach vorn, die nicht-dominante Seite sichert den Stand.

Judo, Ringen

Bei technischen Kampfsportarten, die für eine bestimmte Technik den ganzen Körper einsetzen wie z. B. Judo oder Ringen bestimmt die entsprechende Angriffs- und Abwehr-Technik die Grundstellung. Mit der dominanten Seite lässt sie sich leichter erlernen und nach und nach auf die andere Körperseite übertragen.

Füßigkeit im Gesundheitssport

Yoga, Pilates, Aerobic o.ä. legen großen Wert auf achtsame Bewegungen. Viele aktive Sportler wissen sehr genau, auf welchem Bein sie ruhiger stehen können. Die Übung lässt sich durch den stabileren Stand leichter ausführen. Sie erleben ihr nicht-dominantes Standbein als stabiler, während das dominante Bein dynamisch übt.

Menschen mit einer links-seitigen Füßigkeit können in stark geführten Gruppen den Nachteil haben, dass sie die Übungen fortwährend mit ihrer nicht-dominanten Seite beginnen müssen. Sie können auf Dauer Probleme bei rhythmisierten Bewegungen bekommen.

Fazit zur Bestimmung der Füßigkeit

Quellenangabe

  • Elias, L. J., Bryden, M. P., & Bulman-Fleming, M. B. (1998). Footedness is a better predictor than is handedness of emotional lateralization. Neuropsychologia36(1), 37-43. [Google Scholar]
  • van Melick, N., Meddeler, B. M., Hoogeboom, T. J., Nijhuis-van der Sanden, M. W., & van Cingel, R. E. (2017). How to determine leg dominance: The agreement between self-reported and observed performance in healthy adults. PloS one12(12), e0189876. [PubMed]